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Information zu Methoden von Screening-Instrumenten

Information zu Methoden von Screening-Instrumenten

zur Messung einer potenzieller Glücksspielstörung

Information zu Methoden von Screening-Instrumenten  zur Messung einer potenzieller Glücksspielstörung

Information zu Methoden von Screening-Instrumenten zur Messung einer potenzieller Glücksspielstörung

Messung einer potenzieller Glücksspielstörung

In wissenschaftlichen Studien erfolgen Untersuchungen potenzieller Glücksspielstörungen und Prävalenzschätzungen anhand verschiedener Methoden. Nachstehend werden diese Methoden kurz vorgestellt und deren Aussagekraft eingeordnet.

1.Vorbemerkung: Unterschied zwischen der Diagnose einer Glücksspielstörung und einem Screening auf eine mögliche Glückspielstörung

Screening- und diagnostische Verfahren verfolgen unterschiedliche Ziele und besitzen verschiedene Aussagekräfte. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Genauigkeit hinsichtlich des tatsächlichen Vorliegens einer Glücksspielstörung deutlich voneinander. Dieser Unterschied wird vorab dargestellt, da er für das Verständnis der Einordnung aller Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Literatur notwendig ist.

Diagnose einer Glücksspielstörung

Ein Screening dient dazu, in einer größeren Gruppe, ohne den Aufwand einer individuellen persönlichen Diagnose, eine mögliche Störung körperlicher oder psychischer Art zu erfassen, häufig als Reihenuntersuchung zur Früherkennung von Erkrankungen. Diese Gruppen können zum Beispiel die Erstaufnahmen in einer Beratungsstelle sein, aber auch Untersuchungen in Teilen oder in der ganzen Bevölkerung. Ein Beispiel ist die Untersuchung auf Brustkrebs, bei der nach einem ersten Hinweis eine genaue diagnostische Untersuchung erfolgt. Ziel eines Screenings ist es also immer, möglichst alle möglicherweise betroffenen Personen zu erfassen (Vermeidung falsch-negative Screening Befunde), während falsch-positive Befunde in der anschließenden diagnostischen Untersuchung korrigiert werden können.

Es gibt keinen Screening Fragebogen (oder ein anderes Erfassungsinstrument), der so genau ist wie eine diagnostische Untersuchung. Die Qualität eines Screening Fragebogens definiert sich über den Anteil falsch positiver und falsch negativer Befunde, wobei erstere strukturell häufiger auftreten und akzeptiert werden, da sie durch die anschließende differenzierte Diagnostik korrigiert werden. Grundlage von Screening Fragebogen in diesen Zusammenhang sind entweder die diagnostischen Instrumente ICD und DSM selbst oder daraus abgeleitete bzw. völlig unabhängig davon entwickelte Fragebogen. Werden ICD oder DSM verwendet, müssen die diagnostischen Kriterien immer leicht umformuliert/ergänzt oder erläutert werden, weil die technisch-wissenschaftliche Sprache der kurz formulierten einzelnen diagnostischen Kriterien für Fachpersonen gedacht sind, aber für befragte Laien nicht leicht verständlich sind.

Abschließend folgender Hinweis zur methodischen Güte der Screening Instrumente in deutschen Übersetzungen: Es gibt für kein Instrument eine validierte deutsche Übersetzung, weiterhin werden die Instrumente, vor allem der Stinchfield, teilweise nur mit reduzierter Item Anzahl (ohne doppelte Operationalisierung) erhoben. Hierfür wurden die psychometrischen Eigenschaften noch nicht überprüft.  Dennoch eignen sich Screeningverfahren als orientierende Hilfsmittel und geeignete Arbeitsinstrumente, um erste Hinweise und Signale zu liefern, ersetzen aber keine Diagnose. Sie sind schnell, vielfältig einsetzbar und sensibel für mögliche Auffälligkeiten. Diese lassen sich im weiteren diagnostischen Prozess gut integrieren, wenn weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Fazit

Screening Fragebogen sollten idealerweise immer in Untersuchungen an nachfolgenden klinischen Diagnosen überprüft werden, um die Rate falsch positiver und falsch negativer Einstufungen zu erfassen und die Güte eines Screenings einzuschätzen. Dies geht in Reihenuntersuchungen, aber nicht bei Bevölkerungsumfragen, da hier keine diagnostische Genauigkeit, sondern Screeningwerte ermittelt werden. Beide verfolgen unterschiedliche Ziele und erlauben unterschiedliche Aussagen. Deshalb müssen Ergebnisse aus bevölkerungsbezogenen Studien immer entsprechend Vorsicht formuliert bzw. methodisch eingeordnet werden. Es geht also nicht um „riskant Spielende“ oder „Personen mit einer Glücksspielstörung“, sondern um „vermutlich/ wahrscheinlich riskant Spielende“ oder „Personen mit einer möglichen/vermutlichen/ wahrscheinlichen Glücksspielstörung“.

2.Übersicht über gängige Screening Fragebogen

The Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5)

DSM-basierte Screening-Instrumente zur Erfassung von Glücksspielstörungen orientieren sich an den diagnostischen Kriterien des DSM-5, das seit 2013 den internationalen Standard in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Diagnostik darstellt und das frühere DSM-IV abgelöst hat. Das DSM-5 definiert neun Kriterien für eine Glücksspielstörung, wobei die Diagnose gestellt wird, wenn innerhalb der letzten 12 Monate mindestens vier Kriterien erfüllt sind. Zudem erfolgt eine Einteilung in die Schweregrade leicht (4–5 Kriterien), mittel (6–7 Kriterien) und schwer (8–9 Kriterien). Einstufungen der Personen mit 1-3 Kriterien in eine gesonderte Gruppe mit einem möglichen problematischem Spielverhalten, z.B. als riskant Spielende, ist mit Zurückhaltung zu interpretieren, da es keine Evidenz dazu gibt, dass solche Personen in der Folgezeit tatsächlich ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Glücksspielstörung aufweisen.

Stinchfield Screening Fragebogen auf der Basis von DSM-IV

Auf Grundlage der diagnostischen Kriterien des DSM-IV entwickelte Stinchfield (2002) ein international etabliertes Screening-Instrument zur Erfassung pathologischen Glücksspielverhaltens. Dieses Instrument operationalisiert die damals zehn DSM-IV-Kriterien mithilfe von insgesamt 19 Items. Ziel der Mehrfachitem-Operationalisierung ist es, die diagnostischen Merkmale präziser abzubilden und insbesondere in epidemiologischen Studien eine valide Identifikation möglichen problematischen bzw. pathologischen Glücksspielverhaltens zu gewährleisten. Im deutschsprachigen Raum kamen verschiedene Übersetzungen bereits häufiger zur Anwendung (Bühringer et al., 2007; Buth & Stöver, 2008; Kalke et al., 2011; Kalke et al., 2018; Sassen et al, 2011;). Nach der Revision zum DSM-5, die mit der Herausnahme des Kriteriums zur illegalen Geldbeschaffung für das Glücksspiel verbunden war, wurde das Instrument entsprechend von 19 auf 17 Items angepasst (Sleczka et al., 2015; verwendet u.a. für die Fragebogen der aktuellen Glückspielsurveys 2021, 2023 und 2025). Solche DSM-basierten Screenings gelten als diagnostisch nah an klinischen Kriterien und werden daher häufig in Forschung und Praxis für Screening Zwecke eingesetzt.

South Oaks Gambling Screen (SOGS)

Der SOGS Fragebogen ist ein international weit verbreitetes und evaluiertes Screening-Instrument. Er ist inhaltlich an Fragen der Gamblers Anonymous sowie den diagnostischen Kriterien des DSM-III-R orientiert (Cremer et al., 2001). Der SOGS weist in klinischen Stichproben (Behandlungsfälle) eine gute Sensitivität und Spezifität auf, führt jedoch bei Prävalenzschätzungen in der Allgemeinbevölkerung zu einer hohe Rate falsch positiver Fälle (etwa 50 %), d.h., viele Personen ohne klinisch relevante Probleme werden als pathologisch klassifiziert und der Anteil somit überschätzt (Stinchfield, 2000). Daher sollte der SOGS in der Allgemeinbevölkerung nicht bzw. nicht ohne Anpassung oder ergänzende diagnostische Verfahren verwendetet werden. Darüber hinaus stimmen einige Items nicht mehr hinreichend mit den aktuellen diagnostischen Kriterien (DSM) überein.

Problem Gambling Severity Index (PGSI)

Der Problem Gambling Severity Index (PGSI; Ferris & Wynne, 2001) ist ein international weit verbreitetes Screening-Instrument zur Erfassung der Ausprägung problematischen Glücksspielverhaltens in der Allgemeinbevölkerung. Er ist Teil des Canadian Problem Gambling Index und wurde speziell für epidemiologische Studien entwickelt. Der PGSI umfasst neun Items, die sowohl Verhaltensaspekte (z. B. Kontrollverlust, finanzielles Hinterherjagen von Verlusten) als auch negative Konsequenzen des Glücksspiels (z. B. Schuldgefühle oder finanzielle Probleme) abbilden. Die Beantwortung erfolgt auf einer vierstufigen Skala (von „nie“ bis „fast immer“), aus der ein Summenwert gebildet wird, und ermöglicht die Einteilung in vier Risikogruppen: nicht-problematisches Spielverhalten, geringes Risiko, moderates Risiko und problematisches Glücksspielverhalten. Der PGSI gilt als reliables und valides Instrument und wird aufgrund seiner guten psychometrischen Eigenschaften und seiner Eignung für Bevölkerungsstudien international häufig eingesetzt, ist aber in der Konstruktion der Items nicht mit der DSM-Struktur vergleichbar.

Literaturverzeichnis

Bühringer, G., Kraus, L., Sonntag, D., Pfeiffer-Gerschel, T. & Steiner, S. (2007). Patho-logisches Glücksspiel in Deutschland: Spiel- und Bevölkerungsrisiken. Sucht (53), 296-308.

Buth, S. & Stöver, H. (2008). Glücksspielteilnahme und Glücksspielprobleme in Deutsch-land: Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativbefragung. Suchttherapie (9), 1-9.

Cremer, J., Zorawski, M., & Iver, H. (2001). South Oaks Gambling Screen (SOGS) Und Pathological Gambling Modification of the Yale-Brown Obsessive-Compulsive Scale (PG-YBOCS). Autorisierte Deutsche Übersetzung Und Bearbeitung. Hamburg [Authorized German Translation and Editing. Retrieved March 7, 2018.

Ferris, J., and Wynne, H. (2001). The Canadian Problem Gambling Index: Final Report. Ot-tawa, ON: Canadian Centre on Substance Abuse.

Kalke, J., Buth, S., Rosenkranz, M., Schütze, C., Öchsler, H. & Verthein, U. (2011). Glücksspiel und Spielerschutz in Österreich: Empirische Erkenntnisse zum Spielverhalten der Bevölkerung und zur Prävention der Glücksspielsucht, Lambertus, Freiburg. Kalke, J., Buth, S., Thon, N. & Wurst, F. M. (2018). Glücksspielverhalten der österreichischen Bevölkerung und ihre Akzeptanz von Spielerschutzmaßnahmen – Ergebnisse der Repräsentativbefragungen 2009 und 2015. Suchttherapie (19), 11-20.

Sassen M., Kraus L., Bühringer G., Pabst A., Piontek D., Taqi Z. (2011). Gambling among adults in Germany: Prevalence, disorder and risk factors. Sucht, 57, 249–257.

Sleczka, P., Braun, B., Piontek, D., Bühringer, G. & Kraus, L. (2015). DSM-5 criteria for gambling disorder: Underlying structure and applicability to specific groups of gamblers. Jour-nal of Behavioral Addictions (4), 226-235.

Stinchfield, R. (2002). Reliability, validity, and classification accuracy of the South Oaks Gambling Screen (SOGS). Addictive Behaviors (27), 1-19.

aktualisiert am 26.05.2026